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Auweia, jetzt hat Google - der Suchmaschinen-Konzern mit dem Gutmenschen-Kodex - die IP-Adresse des Laptops meiner Schwester in Verbindung mit einer Suchanfrage nach "Volksgas" gespeichert. Bestimmt stapelt sich bald eine Klagemauer aus Briefen jüdischer Verbände in ihrem Flur. Aber ICH war's doch – nehmt MICH! Oder alternativ: beschwert Euch bitte nur noch dann, wenn es einen echten Grund gibt und dann bitte auch konsequent, nicht nur, wenn grad nichts Besseres ansteht.
Okay, mal der Reihe nach: Volksempfänger, Volkswagen, Volkspartei, Volksdiscounter, Volkstarif, Volksreifen, Volksstrom. Frage: Was haben diese Wörter gemeinsam? Ja klar, alle mit "Volk", scho recht, aber was heißt das? Genau, alle umgibt dadurch irgendwie ein gewisses Nazi-Pathos. Leider hat dieser furchtbare Österreicher damals das Wort Volk in seiner Propaganda missbraucht und jetzt watschelt das arme Ding noch für die nächsten 200 Jahre in diesem braunen semantischen Feld herum.
Nächste Frage: was haben diese Wörter NICHT gemeinsam? Das war leicht - den Hintergrund! Die einen sind tatsächlich von Nazis geschaffene Begriffe, die anderen sind lediglich Produktnamen des 21. Jahrhunderts. Ebenfalls nicht gemein ist die Wirkung, die die Begriffe in der Öffentlichkeit hervorrufen. Ich darf mich ohne weiteres im Prospekt des Discounters meines Värtrrauäns von Volksdiscounter-Preisen unter Schwarz-Rot-Goldener-Flagge verzücken lassen, mir meinen Mobiltelegraphen mit Volkstarif ans sonnengebräunte Ohr halten, meine Wohnung mit Volksstrom versorgen und meinen Volkwagen bei A.T.U. mit Volkreifen bereifen lassen. Aber verlang mal bei Mediamarkt nen Volksempfänger... da wäre Polen aber offen. Achtung, eine Durchsage, der Sicherheitsdienst die 214 bitte, wir haben hier einen 88!! Und die Google-Suche nach Volksgas (hätte ich gern für Herd und Heizung) liefert mir ausschließlich Angebote für original deutsche Volks-Gasmasken aus dem 2. Weltkrieg. Ich bin hier also nicht paranoid, was das Assoziationsfeld dieser Begriffsschöpfung angeht. Meiner Meinung nach ist dieses neue Marketing-Wording echt ein Missgriff bei dem ich es vollkommen verstehen könnte, wenn der Zentralrat der Juden sich beschweren und Unterlassung fordern würde. Es gilt eben nicht immer und überall "Jedem das Seine", man muss eben eine Idee auf sämtlichen Bedeutungsebenen nach Wundstellen abklopfen.
Moment, jetzt hab ich zwei Probleme: erstens, keine Sau beschwert sich über diesen ganzen neuen Volks-Blödsinn, der sogar mir nicht sehr spitzfindigem Menschen langsam etwas zu braun daherkommt. Zweitens hab ich eben schon wieder ein Faut-Pas begannen: Ich hab "Jedem das Seine" gesagt. Ich braunes Schwein. Dabei weiß doch jeder, dass die Nazis diesen Satz in den Kontext ihrer Ideologie gesetzt haben und in das Tor eines KZ’s geschrieben haben. Naja, zumindest seit der Esso/Tchibo-Kampagne weiß es jeder. Vorher war das den meisten – mich eingeschlossen – unbekannt. Ich bin 30 Jahre lang durch die Weltgeschichte gelaufen und hab gesagt "Jedem das Seine" (laut Wikipedia übrigens auch der Leitsatz der Bundeswehr-Feldjäger), wenn ich ausdrücken wollte, dass ich etwas toleriere. Das ist zwar auch nicht exakt der
Kontext in dem Plato den Satz seinerzeit erdacht hatte, aber so habe ich ihn in meinem Umfeld gelernt. Doch es mussten zwei Unternehmen ihre teuer und zeitintensiv vorbereitete, absolut harmlose Kampagne stoppen, dürften aber stattdessen auf Volks-Werbepropaganda-Wording umsteigen, ohne dass es auch nur eine einzige jüdische Gruppe stören würde?? Hallo? Wohl unter'm falschen Baum gestanden, beim letzten Assoziationsgewitter?!
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